Wir verleihen Flügel
Segelfliegerclub Schwäbisch Hall e.V.

www.sfc-hall.de

Montag, den 20. Juni 2011 um 08:34 Uhr

Tag 2 - erster Flugtag

Hallo liebe Leute,

nachdem sich nun ein millionenfaches Publikum für meine Erlebnisberichte begeistert, will ich natürlich fortfahren, die Sensationslust der Massen mit meinen alltäglichen Nichtigkeiten zu befriedigen.
Das ganze ist ja schriftlich und nicht mündlich, so dass auch keiner auch nur den geringsten Zusammenhang mit Oralsex herstellen kann.

Nun gut, fangen wir mit der Nacht an.
Die war sehr kurzweilig.
Dank der schnellsten Pilotin Deutschlands.
Die ganze Nacht von ihr geträumt und ihr dabei gezeigt wo ich der schnellste bin.
HARHARRR.

Dann: Aufstehen und Frühstück.
Hier trennt sich schon die Spreu vom Weizen.
Oder die wirklich Gechillten von den Dauergestressten und Unentspannten.
Letzteres sind die Väter der Schöpfung, die es normal finden, dass ihr Nachwuchs morgens um 6 Uhr in's Schlafzimmer schleicht und dem lieben Papa als "Hallo und guten Morgen" mit einem Sprung das Knie in die Seite rammt.
Dieser Spezies angehörend ist z.B. Klaus, Sven und Ralf, und um 6 Uhr aufstehen ist ihr Tagesgeschäft.

Damit ihr euch unter den Personen auch was vorstellen könnt:
Klaus hatten wir ja schon.
Sven ist unser Chefe. Il Presidente, sozusagen. Allerdings nach allen Regeln demokratischen Kunst ordentlich gewählt und legitimiert.
War halt kein anderer da der freiwillig "JA ICH WILL" geschrien hat...

Ralf ist ebenfalls Flugschüler. Einer von der spätberufenen-Sorte. d.h. Alter = Rente - 10 bis 20 Jahre, Kinder, ...
Im Gegensatz zu so einem jungdynamisch gechillten Checker wie mir dann eher eine gute Seele.

Also, die Jungs morgens raus, den Dreck vom Vorabend bereinigt und Frühstück gemacht.
Klaus dann natürlich noch obligatorisch mit Frühsport unterwegs.
Bin ja eigentlich auch ein absoluter Frühsport-Fetischist, aber nachdem ich mir letztes Jahr schwerwiegende Verletzungen ("gesplittertes Schienbein") zugezogen hab, überlasse ich das praktische den untrainierten und gebe lieber gute Trainingstipps.

Der Tisch ist gedeckt, und nun kommt meine Zeit.
Hinsitzen und Essen.
Ganz, wie ich es von zu Hause gewohnt bin...

Nach dem Frühstück dann gleich mal hochdynamisch den Twin aus der Halle räumen.
Abkleben, ...

Danach dann das übliche zu Beginn eines Fluglagers auf einem fremden Platz:

Briefing. Hat nix mit Briefe schreiben zu tun.
Da geht's dann eher um alles, was so besonders ist.
Am Windenstart z.B. (gähn)
oder bzgl. Verhalten auf dem Platz (doppel-gähn)
und: DER NEUE LEPO!Der neue Lepo
So eine edle Spende von dem "Konzern mit dem Stern".
M-Klasse, Ledersitze, 300 PS, 3 Tonnen, aller Schnickschnack, den sich so ein verwöhnter Flugschüler wie ich es bin eben wünscht um gediegen über den Platz zu cruisen.
Da steigt die Aufmerksamkeit dann gleich in's Unermessliche.

Und jetzt kann's losgehen.
Na ja, wenn das Wetter mitspielen würde.
Also erst mal den Twin wieder in die Halle und vom Regen befreien ("abledern" nennt sich das ja im Fliegerjargon).

Nun beginnt das Spiel eines jeden Segelfliegers:
Wetter abfragen.
Da verhält sich der gemeine Flieger dann wie ein ganz normaler Mensch:
er will nicht wahrhaben, was er liest, sofern es ihm nicht in den Kram passt.
Also, alle nur möglichen Wetterprophezeiungs-Internetseiten abrufen, und hoffen, dass irgendwo was besseres steht.
Das ganze dann im 5 Minuten Takt.
Von jedem im Raum.

Nach dem 4ten Mal Twin raus, Regenschauer, Twin rein in die Halle, abledern, ... war die Motivation der Gruppe dann leicht gespalten:
Hochmotivierte Flugschüler, die immer noch hoffnungsfroh waren.
Weniger motiviertes Restfliegervolk das nach Alternativen suchte.

Zu letzteren mal zwei weitere Personen vorgestellt:
Friedie und Tillmann.
Friedie ist der Cheffe und Il Presidete der Jugendgruppe.
Tillmann ein stiller See mit unbekannten Untiefen.

Die beiden scheinen seit neuestem auch unzertrennlich. Übernachten in einem Zelt, und wenn Tillmann kalt ist, schläft er in der "Abwärme von Friedie".
Friedie seinerseits ist natürlich der Urmensch an Gemütlichkeit und Geselligkeit in Person.

Also, wir waren beim Alternativprogramm zum Twin aus- und einhallen.

Friedies Idee:
Tschakuusiee (keine Ahnung wie man das schreibt, daher hier in Lautschrift).
Tschakuusiee ist nix anderes als ein Pot Wasser, in dem man gechillt und mit ausgebreiteten Armen sitzt, Chicka rechts im Arm, Chicka links im Arm und aus den Düsen Blubberbläschen den Rücken hoch perlen. Und ziwschen den Beinen. Hat der Tschakuusiee keine Düsen, macht man die Blubberbläschen selbst. Mit selbstgemachten Darmgasen. Wie lange die Chickas das aushalten, bevor sie vor Ekel schreiend aus dem Wasser springen, ist dabei immer sehr spannend. Aber sicherlich der erste Beziehungshärtetest. Sollte ja auch 40 Jahre Ehe überdauern.
Für jeden anderen Menschen außer Friedie, d.h. jemand der nicht mehr in seiner Spätpubertären Hormonphase steckt, nennt sich das auch "Schwimmbad".

Ok, die übermotivierten Flugschüler gewinnen, und wir bauen ein weiteres Mal den Twin auf.
Die Gastgeber fahren dann irgendwann sogar die Winde zum vorgesehenen Platz und die ersten Starts gehen raus.
JIHAAAA.
50 km/h Wind bringen
a) 450 - 500 m Schlepphöhe
b) Höllenturbulenzen, vor allem im Landeanflug
c) Ein Grinsen auf Klausis Gesicht, dass man ihm Abends noch aus dem Gesicht schlagen muss.

Tagesbilanz:
26 Starts, jede Menge Erfahrung (u.a. wie mache ich eine Landeeintleilung bei nicht alltäglichen Bedingungen) und eine durchgefrohrene Truppe.Kiten

Abends dann wieder einhallen, essen (mmmmh, Schnitzel) und am Kite (Lenkdrachen) abreagieren, quatschen, Flüssigkeit zuführen.

Als die Sonne dann hinter dem Horizont verschwindet, wird noch das "Segelfliegerspiel" gespielt.
Nein, es geht nicht um das übliche "wir steigern den Umsatz der Brauereiindustrie".
So ein richtig ernsthaftes Spiel mit Würfel, Spielbrett und so.
Die Regeln sind hochkomplex und würden den Rahmen des Blogs sprengen. Ehrlich gesagt ging sich das ganze auch erst mal ziemlich schleppend an (gähn).
Nach schon kurzer Zeit aber kamen dann bisher für unmöglich gehaltene Emotionen auf:
TILLMAN der Terminator legt los:
Erfinder der "McTillmann"-Theorie (angelehnt an den alten McCready).
Das Ganze hat er schon nach dem 5ten Spielzug entwickelt (lösen hochkomplexer mathematischer Gleichungen, wie es sich für einen Luft- und Raumfahrtstudenten gehört) und unter heftigen Diskussionen bis in's Mark verteidigt ("stille Wasser").
Begriffen hat er das Spiel nach eigenen Worten nach dem 10ten Spielzug.
Letztlich wurde er dritter und die anderen hatten "einfach nur Glück".
Ist ja auch ein Würfelspiel...

Damit hatte dann auch er was zum träumen, und ich verabschiede mich bis morgen.