Wir verleihen Flügel
Segelfliegerclub Schwäbisch Hall e.V.

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Freitag, den 24. Juni 2011 um 08:14 Uhr

Tag 6 - Fliegertaufe

Nun, was soll ich euch über den heutigen Tag schreiben.
Nachdem ich mich zur üblichen Zeit aus dem Zelt schleppte, spürte ich schon meine fiebrige Stirn.
Der Blick auf's Thermometer zeigte dann auch besorgniserregende 36,5 Grad. Celsius, wohl gemerkt.
Als das ganze dann auf nahezu tödliche 37 Grad anstieg, entschloss ich mich sofort, wieder ins Bett und vor meinen Laptop zu liegen.
Daddeln soll ja die beste Medizin sein.
Und das Handy lag ja griffbereit, falls ich ins Fieber-Delirium falle und den Notarzt rufen muss.

Daher von der Fliegerei nicht viel mitbekommen:
Felix W. fliegt alleine an der Winde und zieht trotzdem ähnliche Schnuten wie ich (ob er jetzt auch Fisch heißt...?).
Manuel fliegt ebenfalls alleine an der Winde.
Ralf fliegt noch nicht alleine an der Winde, fliegt dafür aber mit abgeklebten Instrumenten besser als mit funktionalen.
Und Anton von den Leibertingern ist der nächste Alleinflieger.

Das mit dem Anton haben die Leibertinger sehr gut getimt. Schließlich ist für Abends noch die Flugzeugtaufe der neuen ASK 21 geplant, und dementsprechend sind richtig vieeeele Leute für das anstehende RITUAL anwesend.

Warten auf besseres WasserDas Wetter, welches zuerst mit "schleifend liegender Front", dann mit "mäßiger Thermik" vorhergesagt, und letzteres natürlich von allen Jungdynamikern wieder als "Hammerwetter" interpretiert wurde, entwickelte sich folgendermaßen:
Morgens: Abschirmung, Untergrenze 350 m Grund.
Mittags: Abschirmung, Untergrenze 450 m Grund.
Führte dann dazu, dass sich so manch einer längere Zeit mit seiner Nase beschäftigte (siehe Bild).
Von daher hat mich mein Fieber nicht wirklich in meiner fliegerischen Laufbahn zurückgeworfen.
Außer so ab 16:30 Uhr. Da hat sich's noch prächtig entwickelt und Manuel und Klaus hatten mit dem Twin, zusammn mit Jochen in der K 8 noch einen edlen Thermikflug incl. Aufstieg vor der Wolke. Wohl traumhafte Bilder, aber leider nur auf die Netzhaut gebrannt, da kein Foto dabei.

18 Uhr dann die Fliegertaufe mit herrlich geschmückter ASK 21 und danach DAS RITUAL mit Anton.
Hab' ich schon erwähnt wie viele Gäste da waren?
Hölle, der Junge würde Schmerzen erleiden (übliches, schadenfrohes Grinsen auf meinem Gesicht).
Die Leibertinger und die Gäste hielten sich allerdings größtenteils vornehm zurück, so dass wir Haller mal einschreiten und zeigen mussten, wie man DAS RITUAL richtig durchführt. Als dann Friedie Anlauf nahm, und der gebückt dastehende Anton wohl den immer größer werdenden Schatten realisierte (bei tief stehender Sonne sicherlich ein sehr beeindruckendes Bild), hielt dieser die Hände schützend vor sein Hinterteil und wand sich wie eine Schlange.
Vergebens. Der feste Griff von Jochen, seinem Fluglehrer, und der zielgenau Schlag von Friedie auf die rechte Hinterbacke zwang Anton mit Tränen in den Augen in die Knie.
Einfach schlimm, diese Jammerlappen und Mimosen. Keine harten Kerle in Sicht, so wie ich es eben einer bin.

Das folgende Essgelage wurde dann leider noch zur Enttäuschung. Die Menge an Essen wurde wohl nicht so kalkuliert, dass sie für uns, seit einer Woche ausgehungerten Haller, reichte. So gab es mehr oder weniger enttäuschte Gesichter, als es nach dem ersten Gang Fleisch und Kartoffelsalat keinen Nachschlag mehr gab.
Wer aber glaubt, ein Segelflieger lässt sich von solchen Widrigkeiten abhalten und geht mit "leerem" Magen ins Bett, der täuscht sich natürlich gewaltig.
Also, ab ins Auto und nach Messkirch zum Döner.
Keiner weiß natürlich, wo der Döner in Messkirch ist, aber ein Segelflieger ist ja ein Naturtalent im Navigieren.
Jeder.
Oder sagen wir vermutlich alle, außer uns.
Haben uns dann erst mal in diversen Industriegebieten verfranst und mussten letztlich jämmerlich um Hilfe fragen. Dass wir dabei in dritter Reihe neben den Messkircher GTI-Audi-Tuning Spezialisten geparkt haben, störte nur Friedie. Hupenderweise hinter dem Tross haben wir uns fast die erste Schlägerei eingefangen.
Nun gut, nach länglicher Erklärung sind wir dann prompt wieder falsch abgebogen, und die GTI-Audi-Matadore hatten Erbarmen. Fuhren uns hinterher und wiesen uns vorausfahrender Weise den Weg.
Naturtalente halt.
Letztlich im Döner angekommen und...
Der Spieß ist LEEEEEEER!
Und wird auch nicht mehr gefüllt.
Mit meinem treuen Hundeaugenaufschlag und -blick bekomme ich noch die Reste aus den Heizstäben gekratzt und bin stolz, dass ich den letzen Döner des Tages esse, während sich die anderen mit Pizza und Pide vergnügen müssen. Von schweißtreibend scharf bis völlig ungewürzt geschmacklos.
Die dicken Bäuche aus dem Döner walzend mussten wir dann noch rumbalgen, bis wir innerhalb kürzester Zeit auch in Messkirch unser Hausverbot erhalten haben.

Der Tag ist vollbracht und ich lege mich wieder verdienterweise schlafen.


Euer Felitsche.