Wir verleihen Flügel
Segelfliegerclub Schwäbisch Hall e.V.

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Hohenloher Vergleichsfliegen 2010 in Schwäbisch Hall

Wolkenstraßen, Wetterlücken und viel Wind

Nach acht Jahren Pause machte das Hohenloher Vergleichsfliegen (HVF) dieses Jahr Mitte Mai wieder in Schwäbisch Hall-Hessental Station. Obwohl gerade bei diesem Segelflugwettbewerb – heuer der nunmehr 47. – das Gros der Piloten aus der Region zwischen Aalen, Crailsheim, Walldürn, Möckmühl, Pleidelsheim und Backnang ins verhältnismäßig zentral gelegene Schwäbisch Hall pilgerte und sozusagen alle mit demselben „Heimvorteil“ starten konnten – irgendwie räumten die Gastgeber zumindest in der Leistungsklasse sowie der Mannschaftswertung dann doch ab. Aber das eigentliche, worum sich an den sechs potenziellen Wertungstagen letztendlich alles drehte, war das wechselhafte Wetter ...

 

 

... Würde es halten, wo reißt`s zuerst auf und mal ganz banal: Können wir überhaupt starten?

Und wer zur HVF-Eröffnung am 8. Mai bei noch trübem Himmel den Worten der Schirmherrin Bettina Wilhelm, der Ersten Bürgermeisterin von Schwäbisch Hall folgte, erfuhr ja gleich: „Die Flieger sind Spinner.“ Wie bitte? Das saß: „Spinner, weil Sie den Traum vom Fliegen mit Leidenschaft verwirklichen. Ich beneide Sie um das Dahingleiten. Das finde ich total spannend.“

Eine spannende Sache erst recht für Sportleiter und „Wettermacher“ Werner Bennert. Der hatte sich nach den vertrackten Wetterprognosen den Kopf zermartet, auf welche Strecken er die 37 Segelflugzeuge aus Club-, Leistungs- und Doppelsitzerklasse schicken sollte: „Höhentrog, Tiefdruckrinne – ich habe alles, was das Segelfliegerherz begehrt.“ Ganz so schlimm war es auch nicht, als gegen Spätnachmittag gestartet wurde, Strecken zwischen 115 und 150 Kilometer, inklusive Herausforderungen wie „zehn Kilometer im Umkreis der letzten Wende Rothenburg keine Thermik“.

Und falls mal alle Stricke reisen sollten und man sich in seinem Cockpit sehr, sehr einsam vorkommt, weil weit und breit kein Pilot zu sehen ist, der einem die Thermik markiert, führte ein simpler Trick „Ich habe im Flarm geschaut, wo die anderen gekurbelten haben. Und da ging’s …“ zum Tagessieg – zumindest in der Clubklasse.

Richtig schaurig-schwüle Flugerlebnisse dann am Sonntag, als sich nachmittags über Hall eine mächtige dunkle Gewitterwand aufbaute. Wer schon abgeflogen war, hatte richtig gesetzt – wer noch wartete, ein Problem. Erst prasselte der Regen und Hagel, danach fast im Minutentakt die Außenlandemeldungen. Gut nachzulesen für die Rückholer in Lauerstellung übrigens auf dem ständig aktuell gehaltenen Internet-Blog. Die Leistungsklasse hatte noch Glück im Wetterpoker, die Haller Tagessieger – zweimal unterwegs vom Regen kalt erwischt – tasteten sich auf ihrem 160-Kilometer-Kurs langsam nach Hall zurück. Clubklasse und Doppelsitzer wurden nicht gewertet, zu wenige schafften die ausgeschriebene Strecke.

An Himmelfahrt und Freitag bremste das Wetter die Segelflugpiloten beim „Hohenloher“ aus: Genug Zeit, um sich ganz entspannt den Catering-Genüssen samt den großen Portionen, die der Haller Segelfliegerclub in der Flugzeughalle auftischte, hinzugeben. Und das, ohne gleich beim letzten Bissen aufspringen zu müssen um die Hänger zu satteln.

Irgendjemand scheint nicht aufgegessen zu haben, zumindest besserte sich auch im laufe des Samstag das Wetter nicht. Da halfen auch die einfache Formel von Werner Bennert nicht weiter (normaleweise stellt Bennert bei einer Schweizer Rückversicherung seine Berechnungen an): „Mindestens so viele Tropfen, wie runterkommen, kondensieren auch wieder weg.“ Doch die Wetterlücke wollte einfach nicht nach Hall kommen. Glück für die Rückholer: Denn ihr Dresscode hätte an diesem Tag aus Gummistiefeln, Pelzmütze und Wollhandschuhen bestanden.

Schließlich sollte am Sonntag, dem 16. Mai und letzten Tag des HVF, die Leistungsklasse zu ihrem dritten und die Clubklasse sowie Doppelsitzer zu ihrem zweiten Wertungstag gelangen. Das Warten hatte ein Ende, diesmal war der härteste Gegner nicht die jeweilige Konkurrenz, sondern der starke Nordwestwind, der in der Höhe mit bis zu 40 km/h blies. Einige Piloten bekamen das schon schmerzlich gleich nach dem Ausklinken zu spüren: „zerrissene“, ungleichmäßige Aufwinde; ständig wurden sie beim Höhetanken abgetrieben und mussten auf dem ersten Streckenabschnitt heftigen Gegenwind in Kauf nehmen.

Erst auf den letzten Schenkeln sollte dieser „Turbo“ im Rücken für zusätzlichen Schub sorgen. Immerhin führten die Strecken mit über 180 Kilometern Länge für die Club- und Leistungsklasse sowie gut 130 Kilometern für die Doppelsitzer wetlich die A6 entlang. „Damit haben die frühen Außenlander eine Chance, noch pünktlich bei der Siegesfeier aufzukreuzen“, meinte Bennert noch beim Briefing.

Geschafft haben es dann dank Wolkenstraßen und Rückenwind-Bonus doch die meisten – und in der Leistungsklasse sogar mit Durchschnittsgeschwindigkeiten jenseits der 100 km/h. Somit konnte HVF-Wettbewerbsleiter Waldemar Schieber in der Leistungsklasse die Pokale der ersten drei Plätze gleich an die Piloten des eigenen Vereins verteilen, die Mannschaftswertung wanderte ebenfalls an die Haller. Vielleicht war doch etwas dran am Heimvorteil.