Wir verleihen Flügel
Segelfliegerclub Schwäbisch Hall e.V.

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M o m e n t mal, bitte! Fabian M u g e l e

 

„Kontakt mit einem Baum ist nicht so gut“

 

Mit dem Segelflieger Kreise ziehen

Fabian Mugele ist mit 16 Jahren einer der jüngsten Segelflieger in der Region. Seit fast zwei Jahren darf er alleine fliegen. Sein großes Ziel: Einmal über den Anden mit dem Segelflieger auf Strecke gehen.

 

Fabian Mugele an Bord eines Segelfliegers: „Die meisten sind vorinfiziert, Segelfliegen hat man im Blut.“

Fabian Mugele an Bord eines Segelfliegers: „Die meisten sind vorinfiziert, Segelfliegen hat man im Blut.“

Herr Mugele, Sie sind mit 14 Jahren zum Segelfliegen gekommen – ein Alter, in dem andere Jugendliche sich eher auf eine Ballsportart konzentrieren. Wie kam es zu ihrem Hobby?
FABIAN MUGELE: Die meisten Segelflieger sind „vorinfiziert“, die haben das irgendwie im Blut, was aber keinen Hinderungsgrund für Außenstehende darstellt. Bei mir kam es durch das Modellfliegen. Die Segelflieger haben das gleiche Gelände genutzt, da gab es die ersten Kontakte. Und dann habe ich einfach mal vorbeigeschaut, habe mitgemacht und bin schlussendlich dann auch mitgeflogen.

Und wie ist das Gefühl, mit einem Segelflugzeug in der Luft zu sein?
Mit einem normalen Linienflugzeug kann man das nicht vergleichen. Man spürt die Naturkräfte viel deutlicher, gerade die Aufwinde merkt man stark.

Und da oben ist es dann ruhig?
(lächelt) Ja, es ist ziemlich ruhig, ab und an hört man ein paar Windgeräusche.

Da es ja keinen Motor gibt, wie kommt man dann voran?
Von oben erkundet man die Geländestruktur: Wo kann Thermik, also Aufwind, entstehen? Mit der Zeit bekommt man einen guten Blick dafür. Natürlich gibt es aber auch im Flugzeug technische Geräte, die da bei helfen.

Beim Segelfliegen gibt es auch sportliche Wettkämpfe. Welche sind das?
Es gibt das Kunstfliegen und den Streckensegelflug. Dabei versucht man, in einer bestimmten Zeit so viel Strecke wie möglich zurückzulegen. Gute Piloten können in acht bis neun Stunden ungefähr 800 Kilometer schaffen.

Das bedeutet aber auch eine ziemliche Belastung für den Piloten...
In der Tat. Normalerweise fliegt man ungefähr auf 2000 Meter Höhe über dem Meeresspiegel, das bedeutet hier in der Gegend rund 1600 Meter über dem Grund. Das Entscheidende dabei ist die Sonne. In dieser Höhe ist die Strahlung stärker. Deshalb ist es für Piloten Pflicht, getönte Hauben zu nutzen oder Hüte zu tragen, um sich zu schützen.

Wenn der Tag geht, müssen die Segelflieger landen, weil es keine Thermik mehr gibt. Wo landet man?
Zum einen gibt es Segelflugplätze in der näheren Umgebung: Hall, Öhringen, Künzelsau oder Crailsheim. Aber natürlich kann man auch woanders runterkommen: auf einer Wiese oder einem Acker zum Beispiel, im Fachjargon „Außenlandung“ genannt. Das muss man schon in der Luft gut planen, denn ein Durchstarten wie bei einem Motorflugzeug ist nicht möglich. Also schaut man sich die Umgebung sehr genau an: Wo ist eine Straße? Wie wellig ist der Acker? Und natürlich muss man auf Bäume achten. Ein Segelflugzeug wiegt zwar je nach Größe zwischen 230 und 900 Kilogramm, aber der Kontakt mit einem Baum kommt nicht so gut (lacht). Das bedeutet normalerweise einen Totalschaden.

Was passiert nach dem Landen?
Wenn alles gut verlaufen ist, meldet man sich bei den Kollegen, die dann mit dem Hänger kommen. Zu dritt ist ein Segelflieger in 10 bis 15 Minuten abgebaut.

Wie lange dauert eine Segelflugausbildung?
Ungefähr eineinhalb bis zweieinhalb Jahre. Natürlich gibt es auch einen Theorieteil, aber man darf sehr schnell mitfliegen, es ist ja immer der Fluglehrer mit dabei. Nach gut einem Jahr durfte ich meinen ersten Alleinflug machen. Das war wirklich etwas Besonderes, denn ich war noch 14. Und wann bekommt man als Jugendlicher schon so viel Verantwortung übertragen?

Und es hat Spaß gemacht?
Natürlich! Ich war auf mich alleine gestellt und habe alles gut hinbekommen.

Und hinterher wurden Sie dann „getauft“...
Ja, da gibt es ein Ritual: Nach dem ersten Alleinflug bekommt man einen Schlag auf den Hintern – „für das richtige Thermikgefühl“. Das ist natürlich symbolisch gemeint, aber ganz ehrlich: Einmal getauft zu werden reicht vollkommen...

Nun haben Sie seitdem einige Alleinflüge gemacht, gab es dabei auch außergewöhnliche Situationen?
Einmal schon, da habe ich mich schlicht verschätzt. Ich hatte an Höhe verloren und merkte, dass ich es nicht mehr zum Segelflugplatz zurück schaffe, also musste ich mir einen Acker suchen – und viele Optionen hatte ich nicht: Es gab in dieser Gegend nur eine Möglichkeit zu landen. Während der Landung war ich voll konzentriert, aber hinterher war ich ordentlich aufgeregt. Immerhin habe ich gemerkt, dass ich in meiner bisherigen Ausbildung etwas gelernt habe, nämlich den Flieger in jeder erdenklichen Situation im Griff zu haben.

Wenn Sie die Ausbildung beendet haben, was sind dann Ihre Ziele?
Ein Traum wäre es, einmal in den Anden oder Neuseeland zu fliegen, denn dort herrschen beste Bedingungen. Da kann es auf Höhen bis zu 10 000 Meter gehen. Das ist für den Piloten wegen der dünnen Luft eine echte Herausforderung. Für Segelflieger ist das sozusagen die Champions League. Aber zunächst möchte ich beim Streckenflug weiterkommen und irgendwann unsere Mannschaft in der 2. Bundesliga effektiv verstärken.

Kunstfliegen ist nicht ihr Ziel?
Man soll nie nie sagen, aber dafür brauche ich noch viel mehr Flugerfahrung. Mein Fluglehrer hat mir mal die Belastung ansatzweise gezeigt. Er ist Steilkreise geflogen, ich bekam den Tunnelblick und habe keine Farben mehr gesehen. Anschließend dann der Blackout – ein komisches Gefühl.

Hätten Sie nicht Ihrem Kollegen ein Zeichen geben können?
(lacht) bei einer Belastung von 4G ist das Arm heben schon etwas schwierig... Wenn man zu zweit unterwegs ist, geht das schon. Alleine wäre das unverantwortlich. Aber ich weiß jetzt genau, wo meine Grenzen sind.

Die Fragen stellte Hartmut Ruffer.

Haller Tagblatt vom 05.03.2011