Wir verleihen Flügel
Segelfliegerclub Schwäbisch Hall e.V.

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Segelfliegen / Zweite Bundesliga

Flucht vor der Gewitterfront

Zweimal in Folge Wetterpech für den Segelfliegerclub Schwäbisch Hall (SFC): Wiederholt schafften es die Haller Piloten mit ihren Bundesliga-Flügen nicht in die Wertung. Prompt rutschte der Verein nun auf Platz 13 unter den 30 Zweitligisten ab. Falls der Verein doch noch Thermikanschluss findet und bis Ende August gleich sechs Plätze aufholt, winkt der Aufstieg in die Erstliga.

Wie schwer die Punktejagd als Bundesligapilot sein kann, erfuhr Aurel Butz. Am Samstag begleitete er als „Copilot“ den SFC-Piloten im Doppelsitzer auf seinem Bundesligaflug.

Samstag, 13:30 Uhr. Vor wenigen Stunden schauerte es sogar noch, dann riss der Himmel auf. Aber was sich hier gleich jenseits des Startbahnendes, gleich hinter der Innenstadt von Schwäbisch Hall am Himmel abspielt, sieht auch nicht gerade einladender aus: Dunkle Wolkengebirge verbarrikadieren die Sicht, Gewitter im Anmarsch. Nichts wie weg, Richtung Nordosten, wo wenigstens noch ansatzweise blauer Himmel zu sehen ist.

Raus aus dem Schlamassel und ab nach Rothenburg, das ist das Ziel von Tobias Dobeneck. Der 31-Jährige Haller übernimmt als Pilote den Startcheck im doppelsitzigen Duo Discus des SFC. 20 Meter Spannweite misst der Kunststoff-Vogel, aus einem Kilometer Höhe lassen sich mit ihm gut 45 Kilometer gleiten – aber auf diese Höhe muss erst mal „gekurbelt“ werden.

„Kilo Romeo, fertig zum F-Schlepp“: Zu den ersten 600 Höhenmeter über Hall verhelfen 180 PS des Schleppflugzeugs, der „Kilo Romeo“, dann klinkt Tobias Dobeneck über dem Einkorn das Schleppseil aus. Die Uhr tickt: Ab jetzt gilt es, zweieinhalb Stunden in der Luft zu bleiben und möglichst viel Strecke zu machen – nur das gibt Bundesligapunkte. Das Variometer piepst emsig vor sich hin, ein gutes Zeichen: Genau hier stehen die Aufwinde, sagt das Fluginstrument, hier lohnt sich das Kreisen, um Höhe zu machen, die dann in Flugstrecke umgesetzt werden kann. Zehn Minuten kreisen, 300 Höhenmeter gewonnen. „Jetzt schauen wir aber, dass wir vorankommen“, sagt Tobias Dobeneck und drückt den Knüppel nach vorn. Aus gemächlichen 80 km/h Kreise-Fliegen werden 120 km/h günstiger Gleitflug Richtung Kirchberg, denn die dunkle Wolkenwand hat sich bedrohlich nach Hall vorgearbeitet. Schneller will Dobeneck aber nicht fliegen – 250 Sachen würde der Duo Discus zwar mitmachen, aber wenn man nicht weiß wo der nächste sichere Aufwind steht, ist das Risiko zu groß, zu schnell ist die Höhe verbraten. Und obwohl die Wolken vielversprechend aussehen. Es ist wie verhext, bei nicht einmal 1000 Meter über Grund hört die Thermik auf, das Variometer brummt nur tief vor sich hin- als Mahnung an den Piloten, dass es hier nur abwärts geht. Nichts wie weiter, der nächsten Wolke auf der Strecke nach Rothenburg entgegen.

Dort kreist schon Fabian Mugele, der 18-jährige aus Mainhardt fliegt mit dem einsitzigen Discus des SFC für die Bundesliga, stochert aber auch vergeblich nach vernünftiger Thermik. Während Rothenburg ob der Tauber eigentlich der erste Wendepunkt eines Dreiecks sein sollte, geht plötzlich – nach nur 45 Minuten Flugzeit – nichts mehr. Nördlich von Rothenburg kommt der Wald immer näher, nur noch 270 Höhenmeter fehlen bis zu den Baumwipfeln. Pilot Tobias Dobeneck hat umdisponiert und einen Landeacker, gleich neben der A7 im Blick. Denn zum Flugplatz Rothenburg würde es nicht mehr zurückreichen. Wenn er jetzt keinen Bart – also keinen Aufwind – findet, geht’s ab in den Acker, Sicherheit geht vor. Über Funk meldet sich Fabian Mugele: Er landet in Rothenburg. Verbissen kämpft Dobeneck weiter, zumindest sinkt das Flugzeug nicht mehr, dann auch endlich ein halber Meter Steigen, ein Meter Steigen und 20 Minuten später wieder die dreifache Höhe.

Weiter nach Norden, jeder Kilometer zählt. Doch kurz vor Uffenheim, etwa 15 Kilometer von Rothenburg, gibt sich Dobeneck geschlagen: Die Gewitterfront hat sich vorgearbeitet, genau südlich von Rothenburg drückt die Regenwand herein. Ihr ein Schnippchen Schlagen, ostwärts davonfliegen und irgendwie nach Hall zurückkehren: zwecklos, die Front ist schneller und nimmt keine Rücksicht auf thermiksuchende, kreisende Segelflieger. Und weiter im Norden geht auch nichts mehr.

Also endet der Streckenflug nach nur anderthalb Stunden und 73 Kilometern in Rothenburg im Hangar bei nur leichtem Regen, während um Hall herum der Hagel niederprasselt. Keine Bundesliga-Wertung – und anderthalb Stunden später beim Rückschlepp nach Schwäbisch Hall ein blauer, von einzelnen Wölkchen durchsetzter Himmel, als hätte sich den Nachmittag überhaupt kein Wetterdrama abgespielt.