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Segelfliegerclub Schwäbisch Hall e.V.

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Hohenloher Vergleichsfliegen: Strecken über 400 Kilometer

Regen, knackiger Wind und ein Thermik-Loch

Besseres Wetter, weitere Strecken: Nach 292 Kilometern für die Leistungs-  und 187 für die gemischte Klasse am Donnerstag, ging’s am gestrigen Freitag in die Vollen. Streckenplaner Markus Schieber stellte im Briefing die 452 und 330 km langen Aufgaben des dritten Wertungstags vor: „Gut planbar, die Schwäbische Alb verspricht kräftige Aufwinde. Und bevor zum Abend die Abschirmung von Westen anrückt,  seid ihr wieder rechtzeitig aus dem Osten zurück.“

Das Thermik-Loch grassiert

Spielte das Wetter am Donnerstag noch seine Tücken aus – knackiger Wind, vereinzelt sogar Regen und die Landungen erst abends um 20 Uhr – kante die Freitag-Prognose nur eine Richtung: nach oben. Bis zur Schwäbischen Alb jedenfalls. Dann grassierte das Thermik-Loch. Erschwerend kam hinzu: Die besseren Aufwinde gab’s haarscharf nur 30 Meter vom Stuttgarter Luftraum – der für die Segelflieger streng tabu ist – entfernt. Von den Haller Piloten reizten Dietrich Sinn und Felix Hüfner die Möglichkeiten aus. Doch Sinn korrigierte einmal zu spät seinen Kurvenkreis, rutschte zu nah an die grenze der Tabu-Zone und kassierte so viele Strafpunkte, die ihn den Tagessieg kosteten.

Eine simple Rolle Klebeband hilft Felix Hüfner, der momentan in der Leistungsklasse in Führung liegt, noch mehr aus seiner LS 8 herauszukitzeln. Allerdings kein handelsübliches Tape aus dem Baumarkt, sondern strapazierfähig und aus dem Fliegerfachbedarf. Damit klebt der 20-Jährige aus Vellberg vor dem Start an seinem Kunststofflugzeug Fugen und Spalte ab, die sonst für Verwirbelungen sorgen und an der Leistung knabbern.

Die Kollegen nass zu machen ist unter Fliegern verpönt

Somit setzte im Gesamtklassement setzte sich Felix Hüfner nach den nun drei Wertungstagen und Platz 3 am Freitag in der Leistungsklasse an die Spitze.

Für den 20 Jährigen aus Vellberg steht das faire Fliegen im Vordergrund. Sehr ungewöhnlich: Am Donnerstag landete er mitsamt seinem Wasserballast von 100 Litern. Normalerweise lässt man es bei schwächerer Thermik gegen Abend hin ab. „Ich wollte fair fliegen“, erzählte der 20-jährige Vellberger, „wenn ich im Bart gekreist bin, waren immer Flugzeuge unter mir, da ließ ich es natürlich drin.“ Die anderen Kollegen nass zu machen, ist unter Segelfliegern verpönt und zählt zu den schmutzigen Tricks.

Denn wenn sich Wassertropfen auf den Tragflächen ansammeln, zwingt das die Gleitfähigkeit in die Knie, genau derselbe Effekt wie bei Regen. „Und beim Geradeausflug merkte ich wieder, dass der Ballast doch was bringt.“ Also drinlassen und damit zum Tagessieg.

Knapp 20 Minuten schneller als Felix Hüfner war mit einem Schnitt von 77 km/h am Donnerstag zwar noch Dirk Windmüller. Aber dessen Einsitzer besitzt gleich drei Meter mehr Spannweite und eine ausgefeiltere Aerodynamik, so nagt der Index unerbittlich an Windmüllers Wertung. Ebensowenig zahlten sich Windmüllers 9 km/h Vorsprung am Freitag aus. In der gemischten Klasse liegen weiterhin unverändert die Gäste aus Donauwörth und Backnang vorne.